Ernährung nach Magenbypass: Was nach dem Eingriff wichtig ist
Je länger Menschen unter starkem Übergewicht leiden, desto größer wird der Leidensdruck. Viele ziehen sich zurück, meiden soziale Kontakte und machen belastende Erfahrungen im Alltag. Hinzu kommen mögliche gesundheitliche Folgen, die den Alltag zusätzlich erschweren können.
Ein Magenbypass ist ein medizinischer Eingriff, der bei starkem Übergewicht in bestimmten Situationen erwogen wird. Dabei spielen vor allem die Ernährung und die langfristige Nachsorge eine wichtige Rolle. Welche Aspekte dabei besonders wichtig sind, erfährst du in diesem Artikel. Zudem schauen wir uns genauer an, worauf es bei der Ernährung nach einem Magenbypass noch ankommt.
1. Magenbypass: Wichtiges kurz erklärt
Der Magenbypass ist ein minimalinvasives Operationsverfahren zur Magenverkleinerung. Ein Teil des Magens wird abgetrennt und am oberen Ende verschlossen. Der Restmagen verbleibt im Körper, ist aber stillgelegt. Danach erfolgt ein Schnitt durch den Dünndarm. Der untere Teil wird mit dem verkleinerten Magen verbunden. Bis alles vollständig abgeheilt ist, dauert es zwischen drei und sechs Wochen.
Nach der Magenbypass-OP verspürst du schon nach kleinen Essmengen ein Sättigungsgefühl. Dadurch, dass ein Teil des Dünndarms umgeleitet wurde, fließen die Verdauungssäfte zudem erst später in den Darm. So verdaust du etwa 40 Prozent des Fettes aus der Nahrung nicht. Beides sorgt dafür, dass du deutlich an Gewicht verlierst.
Wer kann von einem Magenbypass profitieren?
In der Leitlinie zur "Chirurgie der Adipositas" ist genau festgelegt, für wen ein Magenbypass infrage kommt.
- Wenn du einen BMI über 40 kg/m2 hast.
- Wenn dein BMI zwischen 35 und 40 kg/m2 liegt und zusätzliche gesundheitliche Belastungen vorliegen.
Eine Voraussetzung ist zudem immer, dass konservative Maßnahmen zu keinem ausreichenden Erfolg geführt haben.
Studien belegen Ergebnisse
Die Effekte, die sich durch den Magenbypass erzielen lassen, sind deutlich. Das Übergewicht reduziert sich um durchschnittlich 61,6 Prozent . Der BMI sinkt um bis zu 16,7 kg/m2 . Auch gesundheitliche Begleitfaktoren verändern sich häufig. Dazu gehören unter anderem Blutdruck, Stoffwechsel und Schlafapnoe.
2. Wie sich der Magenbypass auf die Nährstoffversorgung auswirkt
Die meisten Nährstoffe nimmst du über die Schleimhaut des Dünndarms auf. Der Nahrungsbrei verweilt eigentlich ausreichend lange im Dünndarm, um dieser Aufgabe nachzukommen. Beim Magenbypass ist das nicht mehr der Fall. Dadurch verwertest du einige Nährstoffe deutlich schlechter. Deshalb sollte die Nachsorge langfristig und individuell mit Fachpersonal abgestimmt werden.
Dazu zählt ein Multivitaminpräparat und
- Vitamin B12
- Vitamin D
- Calcium
- Eisen
- Eiweiß
Vitamin B12
Damit dein Körper Vitamin B12 aufnehmen kann, benötigt er einen Hilfsstoff, den intrinsischen Faktor. Dieser wird vom Magen gebildet. Da beim Magenbypass ein Großteil dessen stillgelegt ist, bildest du zu wenig vom intrinsischen Faktor. Deshalb gehört Vitamin B12 nach dem Eingriff zu den Nährstoffen, die in der Nachsorge besonders beachtet werden.
Vitamin D
Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Da die Fettresorption durch den Magenbypass gestört ist, kann die Vitamin-D-Versorgung laut DGE nach dem Eingriff besonders beachtet werden.
Calcium
Es zeigt sich, dass bei fast zehn Prozent der Menschen, die eine Magenbypass-Operation hatten, eine niedrige Calciumversorgung auftritt. Der Grund: Dein Körper nimmt Calcium hauptsächlich über den Zwölffingerdarm und den oberen Abschnitt des Dünndarms auf. Hinzu kommt, dass eine niedrige Vitamin-D-Versorgung eine gute Calciumversorgung zusätzlich erschweren kann.
Eisen
Du nimmst das aus der Nahrung stammende Eisen vor allem über den Zwölffingerdarm auf. Das Problem: Der Großteil der Nahrung wird an diesem Teil des Darms vorbeigeleitet. Deshalb ist Eisen nach dem Eingriff ein Nährstoff, der in der Nachsorge regelmäßig berücksichtigt wird.
Eiweiß
Aufgrund der kleinen Essensmengen steigt das Risiko, dass du zu wenig Eiweiß aufnimmst. Verstärkend kommt hinzu, dass du durch den schnellen Gewichtsverlust Muskelmasse verlierst. Denn du nimmst über die Ernährung nur noch wenige Kohlenhydrate – und somit Energie – auf. Du baust Körpereiweiß ab, um daraus Energie zu gewinnen. Regelmäßige Bewegung, aber auch eine eiweißreiche Ernährung helfen dem entgegen (mehr dazu im nächsten Abschnitt).
3. Dein Ernährungsplan vor und nach Magenbypass
Beim Magenbypass beginnt die Ernährungsumstellung bereits vor der eigentlichen Operation. Wir zeigen dir, warum das so wichtig ist. Zudem erfährst du, wie du deinem Körper helfen kannst, sich nach dem Eingriff schnell an die neue Magengröße zu gewöhnen.
Vor der Operation
Die Ernährungsumstellung vor der Operation ist eine wichtige Vorbereitung auf die Zeit nach dem Eingriff. Denn das Essverhalten und der Lebensstil ändern sich danach sehr.
Die folgenden Tipps erleichtern dir die Umstellung:
- Nimm regelmäßig Mahlzeiten zu dir (maximal vier pro Tag).
- Iss kleine Portionen.
- Trenne Essen und Trinken.
- Trinke erst ungefähr 30 Minuten nach dem Essen wieder etwas.
- Achte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5 bis 2 Liter pro Tag).
- Trinke schluckweise. Ein Strohhalm hilft dir dabei.
- Höre mit dem Essen auf, wenn du ein Druckgefühl im Bauch verspürst.
- Iss langsam und kaue gut.
- Nimm dir Zeit für das Essen.
Zudem reduziert jedes Kilo, das du bereits vor dem Magenbypass abnimmst, das Risiko für Komplikationen während der Operation.
Nach der Operation
Nach der Magenbypass-OP ist es wichtig, dass du deinen Körper schrittweise wieder an festes Essen gewöhnst. Der Kostaufbau erfolgt Schritt für Schritt.
Die Empfehlungen lauten:
- In der ersten und zweiten Woche nach der OP nimmst du nur flüssige Nahrung zu dir. Etwa klare Gemüsesuppen, Joghurt und Milch sind geeignet.
- In der dritten und vierten Woche folgt pürierte Kost, wie Kartoffelbrei, gegartes Fleisch und Gemüse, aber auch Rührei.
- Ab Woche fünf kannst du mit einer leichten Vollkost starten. Dabei meidest du Lebensmittel, die zu Beschwerden führen können. Welche das sind, erfährst du weiter unten.
Diese Lebensmittel sind nährstoffreich und gut verträglich:
- Vollkornbrot und Beilagen wie Vollkornnudeln, Kartoffeln und Vollkornreis (zwei bis drei kleine Portionen pro Tag). Sie sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen und halten lange satt.
- Gegartes Gemüse, Obst in Maßen. Gut verträglich sind unter anderem: Salate, Möhren, Gurke, Fenchel, Spinat, Spargel, grüne Bohnen, Kohlrabi, Tomate.
Wähle zudem zuckerarmes Obst wie Aprikosen, Äpfel, Beeren, Clementinen, Kirschen, Kiwis, Pfirsiche, Mangos.
- Fettarme Milch und Milchprodukte wie Joghurt sowie Eier. Sie sind reich an Eiweiß und sättigen schnell und langanhaltend.
- Eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit pro Tag – am besten stilles Wasser oder ungesüßten Tee.
- Schonend zubereitetes, fettarmes Fleisch wie Hühnchen und Schwein ist geeignet. Gedünsteter Fisch ist geeignet. Er liefert viel Eiweiß und gesunde Omega-3-Fettsäuren. Gesunde Fette wie Leinöl, Rapsöl, Olivenöl und Walnussöl sind etwa ein Teelöffel pro Tag empfehlenswert.
Auf diese Lebensmittel solltest Du verzichten:
- Getränke mit Kohlensäure. Es entsteht Druck im Magen, wodurch er sich ausdehnt.
- Zucker, zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke – inklusive Fruchtsäfte. Zucker fördert das sogenannte Dumping-Syndrom. Vielen wird nach zuckerreichen Speisen schlecht, sie bekommen Kreislaufprobleme und fühlen sich müde.
- Frittierte Speisen, sehr fettreiches Essen. Wie du bereits erfahren hast, kann dein Körper Fett nur noch bedingt verwerten.
- Nudeln und Brot aus Weizenmehl, heller Reis. Diese Lebensmittel enthalten viele "leere" Kalorien. Das bedeutet, dass sie dir wenig Vitamine und Mineralstoffe liefern.
- Faserreiches Fleisch wie Rindfleisch.
- Andere faserige Lebensmittel wie Nüsse und Popcorn.
- Blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Kohl. Hier heißt es: Probiere aus, ob und in welcher Menge du die Lebensmittel verträgst.
- Koffeinhaltige Getränke. Trinke sie nur in kleinen Mengen und erst einige Wochen nach der Operation. Koffein kann den Magen reizen.
- Verzichte rund sechs Monate nach der Operation ganz auf Alkohol. Trinke auch darüber hinaus nur kleine Mengen. Der Alkohol wirkt viel schneller.
Das ist noch wichtig:
- Sprich die langfristige Versorgung mit Nährstoffen regelmäßig mit deinem medizinischen Fachpersonal ab.
- Kaue dein Essen sehr gut.
- Iss nur kleine Portionen und trinke schluckweise. Dabei helfen: kleinere Teller, kleines Besteck und ein Strohhalm.
- Teile dein Essen auf mehrere Hauptmahlzeiten und Zwischenmahlzeiten auf.
- Wenn du ein Druckgefühl im Bauch verspürst, höre auf zu essen.
- Iss langsam und nimm dir Zeit für das Essen.
Fazit
Wenn du unter starkem Übergewicht leidest und trotz verschiedener Maßnahmen keine dauerhafte Gewichtsreduktion erreichst, kann ein Magenbypass Teil einer medizinischen Behandlung sein. Dabei handelt es sich um eine minimalinvasive Operation, bei der dein Magen und ein Teil deines Dünndarms verkleinert wird. Du kannst nur noch sehr kleine Mengen essen, wodurch sich dein Essverhalten deutlich verändert.
So wirksam ein Magenbypass im Hinblick auf das Körpergewicht sein kann, so gut überlegt sollte der Eingriff sein. Denn die Ernährungsumstellung, die damit einhergeht, ist groß und muss langfristig beibehalten werden. Nicht nur die Menge pro Mahlzeit reduziert sich deutlich. Du solltest auch auf bestimmte Lebensmittel ganz verzichten. Wir haben dir gezeigt, worauf es bei der Wahl der Nahrungsmittel ankommt.
Hinzu kommt, dass die Versorgung mit bestimmten Nährstoffen nach dem Eingriff dauerhaft beobachtet werden sollte. Denn durch den verkleinerten Magen und verkürzten Dünndarm verwertest du bestimmte Nährstoffe nicht mehr so gut. Dazu zählen vor allem Vitamin B12, Eisen, Vitamin D, Calcium und Eiweiß.
Mit der Ernährungsumstellung startest du jedoch nicht erst nach der Operation. Schon vor dem Eingriff passt du deine Ernährung an. So erlernst du die neuen Verhaltensweisen Schritt für Schritt. Ein weiterer wichtiger Aspekt dabei ist, dass du vor der Magenbypass-OP möglichst gut auf den Eingriff vorbereitet bist. So reduzierst du das Risiko für Komplikationen.