25 Min

Parkinson-Krankheit: Symptome, Verlauf und Behandlung

Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.

Deine Hand zittert, obwohl du sie entspannt auflegst? Du stolperst häufig? Auch dein Nacken oder Rücken schmerzt? Zudem merkst du, dass du weniger Lust hast, unter Leute zu gehen? Auf den ersten Blick sind diese Beschwerden so unterschiedlich, dass sich kein Zusammenhang sehen lässt. Doch sie haben eines gemein: sie können allesamt im Rahmen der Erkrankung Morbus Parkinson auftreten.

Parkinson-Krankheit: Das Wichtigste in Kürze

  • Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung des Nervensystems, bei der vor allem dopaminbildende Nervenzellen betroffen sind. Typisch sind Veränderungen der Bewegung, aber auch weitere Beschwerden können auftreten.
  • Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend. Für Diagnose, Verlauf und Behandlung sind eine neurologische Abklärung und eine individuell abgestimmte Therapie wichtig.
  • Auch Ernährung, Darmgesundheit und Bewegung werden wissenschaftlich untersucht. Im Alltag können außerdem soziale Unterstützung und passende Hilfsmittel entlasten.
  • Dieser Artikel gibt dir einen kompakten Überblick über Symptome, mögliche Ursachen, medizinische Behandlung und praktische Tipps für den Alltag mit Parkinson.

Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung, direkt nach der Alzheimer-Krankheit. In Deutschland sind aktuell bis zu 400.000 Menschen von Parkinson betroffen.

Erfahre hier, wie die Erkrankung Parkinson entsteht, welche Symptome auftreten können und welche Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung es gibt.

1. Was ist die Parkinson-Krankheit?

Das Parkinson-Syndrom, kurz Parkinson, ist eine Erkrankung des Nervensystems. Sie führt dazu, dass Nervenzellen im Gehirn geschädigt werden, die das Hormon Dopamin produzieren. Die Krankheit ist nach James Parkinson benannt, der erstmals die Symptome von Parkinson beschrieb.

Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS) ist die häufigste Form

Das idiopathische Parkinson-Syndrom, IPS, ist die häufigste Form der Parkinson-Krankheit. Es macht 75 bis 80 Prozent aller Parkinson-Erkrankungen aus. Idiopathisch bedeutet, dass es sich um eine eigenständige Krankheit handelt. Wir konzentrieren uns in diesem Artikel auf diese Parkinson-Form.

Diese Parkinson-Syndrome treten seltener auf

In sehr seltenen Fällen wird Parkinson vererbt. Genetische Formen von Parkinson können schon in jüngeren Jahren auftreten. Dann gibt es noch zwei Varianten, die auf bestimmte Ursachen zurückzuführen sind. Das sekundäre Parkinson-Syndrom wird zum Beispiel durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente ausgelöst. Das atypische Parkinson-Syndrom hat neurodegenerative Erkrankungen als Ursache. Es nimmt im Vergleich zum idiopathischen Parkinson einen anderen Verlauf. Zudem haben Betroffene zusätzlich neurologische Symptome.

2. Wie entsteht das idiopathische Parkinson-Syndrom?

Wie sich die Parkinson-Krankheit auf den Körper, beziehungsweise speziell die Nervenzellen auswirkt, ist gut erforscht. Doch warum es zu den Veränderungen kommt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Bei Parkinson sterben bestimmte Nervenzellen ab

Bei Menschen mit Parkinson sterben die Nervenzellen, die Dopamin produzieren, ab. Das Hormon ist unter anderem an der Bewegungssteuerung beteiligt. Diese Nervenzellen sitzen in der sogenannten schwarzen Substanz (Substantia nigra). Übeltäter dafür ist das krankhaft veränderte Protein alpha-Synuklein (auch unter α-Synuklein bekannt). Das Protein verklumpt im Gehirn und lagert sich in den Nervenzellen ab. Dadurch kommt es zu einem Mangel an Dopamin. Dieser wiederum fördert ein Überschuss an Acetylcholin. Das Hormon ist an der Muskelkontraktion beteiligt.

Parkinson greift auch das vegetative Nervensystem an

Lange Zeit nahm man an, dass das Absterben der Nervenzellen hauptsächlich im Gehirn stattfindet. Doch auch das vegetative Nervensystem kann beteiligt sein. Es ist Teil der inneren Organe. In diesem Zusammenhang rückt der Darm immer mehr in den Fokus der Wissenschaft. Welche Rolle er bei der Erkrankung spielen kann, erfährst du im nächsten Abschnitt.

Die genauen Ursachen für Parkinson sind nicht bekannt

Es ist einer der größten Rätsel der Wissenschaft: Warum sterben die Nervenzellen bei Parkinson-Betroffenen ab? Eine eindeutige Antwort gibt es bis heute nicht. Doch deutsche Forschende haben eine mögliche Erklärung dafür gefunden. Sie nehmen an, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, damit jemand an Parkinson erkrankt. Zum einen muss ein bestimmtes Gen defekt sein. Zum anderen müssen die Nervenzellen auf einen bestimmten Wachstumsfaktor schlechter ansprechen. Ein Wachstumsfaktor ist ein Protein, das Signale von einer Zelle zur anderen weiterleitet. Und drittens spielt das Alter eine Rolle. Mit zunehmendem Alter verändern sich die Nervenzellen.

3. Beginnt die Parkinson-Krankheit teilweise im Darm?

Viele Betroffene mit dem idiopathischen Parkinson-Syndrom leiden zehn bis dreißig Jahre vor der Diagnose an Magen-Darm-Problemen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass Parkinson zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt.

Vagus-Nerv und Parkinson: Verbindung zwischen Darm und Gehirn

Der Vagus-Nerv verbindet verschiedene Organe mit dem Gehirn – unter anderem auch den Darm. Er rückte in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus der Parkinson-Forschung. Schon 2003 vermutete der Neuroanatom Heiko Braak , dass bei einigen Menschen mit Parkinson krankmachende Eiweiße über den Vagus-Nerv vom Darm ins Gehirn aufsteigen können. Eine Studie aus den USA an Mäusen stützt diese Hypothese.

2017 erschien eine Studie , die einen möglichen Zusammenhang zwischen der Durchtrennung des Vagus-Nervs und der Entstehung von Parkinson fand. Ein schwedisches Forscherteam untersuchte Studiendaten von Menschen, bei denen eine Vagotomie durchgeführt wurde. Dabei handelt es sich um einen Eingriff, bei dem der Vagus-Nerv durchtrennt wird, um die Magensäureproduktion zu minimieren. Bei denen, bei denen die Vagotomie mehr als fünf Jahre zurücklag, sank das Risiko für Parkinson um 41 Prozent.

Der Vagus-Nerv ist an vielen verschiedenen Körperfunktionen beteiligt. Welche, das liest du in diesem Artikel:

Viele Parkinson-Betroffene haben eine veränderte Darmflora

Die Darmflora beeinflusst viele Stoffwechselvorgänge im Körper und kann so zur Entstehung von Krankheiten beitragen. Das gilt auch für neurodegenerative Erkrankungen wie dem Parkinson-Syndrom. Auch hier spielt der Vagus-Nerv wieder eine Rolle. Über den Vagus-Nerv gelangen Stoffwechselprodukte von Darmbakterien vom Darm zum Gehirn.

Mittlerweile gibt es eine Reihe von Studien, die zeigen, dass sich die Darmflora von Menschen mit Parkinson von einer gesunden Darmflora unterscheidet. Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Japan fand im Stuhl mehr Enterobakterien. Die Darmflora kann die Verbreitung von alpha-Synuklein vom Wurmfortsatz über den Vagus-Nerv zum Gehirn beeinflussen.

Es zeigte sich zudem, dass viele Menschen mit Parkinson unter dem sogenannten Leaky-Gut-Syndrom leiden. Sie haben eine gestörte Schutzfunktion der Darmschleimhaut. Entzündungsstoffe können so vom Darm in das Gehirn gelangen. Auch hier spielt laut Forschenden die Zusammensetzung der Darmflora eine Rolle.

4. Symptome der Parkinson-Krankheit

Das idiopathische Parkinson-Syndrom ist eine Krankheit, die sich schleichend entwickelt. Erste Anzeichen zeigen sich oft schon Jahre, bevor Betroffene die Diagnose erhalten. Je weiter das Parkinson-Syndrom voranschreitet, desto mehr beeinträchtigen die Beschwerden den Alltag der Betroffenen. Du erfährst, welche Anzeichen auf Parkinson hinweisen können, was die Hauptsymptome sind und wie die Krankheit typischerweise verläuft.

Anzeichen von Parkinson

Die folgenden Symptome und Beschwerden können auf Parkinson hinweisen:

  • Die Feinmotorik lässt nach
  • Das Schriftbild verändert sich
  • Der Gesichtsausdruck wird starrer
  • Die Bewegungen werden langsamer (Bradykinese)
  • Der Geruchssinn nimmt ab
  • Es kommt zu Schlafproblemen
  • Viele Betroffene leiden unter Magen-Darm-Problemen wie Verstopfungen
  • Auch Stimmungsschwankungen können auftreten. Viele verspüren weniger Antrieb
  • Die Hand zittert in entspannter Haltung
  • Beim Gehen schlenkert der Arm nicht mit
  • Der Gang verändert sich, ein Bein wird nachgezogen oder Betroffene schlurfen
  • Stürze nehmen zu
  • Betroffene ziehen sich oft aus dem Sozialleben zurück

Viele Betroffene bringen diese Symptome und Beschwerden mit typischen Altersbeschwerden in Verbindung. Sie erkennen die Frühwarnzeichen für Parkinson nicht. Dadurch verstreicht unter Umständen wertvolle Zeit in der Behandlung und die Krankheit schreitet unbemerkt voran.

Hauptsymptome des idiopathischen Parkinson-Syndroms

Es gibt vier Hauptsymptome, die mit dem idiopathischen Parkinson-Syndrom einhergehen:

  • Zittern (Tremor): Die Bewegungsstörung tritt am häufigsten an den Händen und Armen auf. Aber auch der Kopf oder der Rumpf können von den unwillkürlichen, zitternden Bewegungen betroffen sein.
  • Bewegungsstörungen bzw. -verlangsamung (Akinese): Vor allem das Gehen fällt schwer.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Die Muskeln ziehen sich zusammen und versteifen sich. Das kann schmerzhaft sein.
  • Geh- und Haltungsstörungen (Posturale Instabilität): Normalerweise sorgen Reflexe dafür, dass wir unseren Körper ausbalancieren können. Bei Menschen mit Parkinson ist diese Fähigkeit gestört. Das führt zu einem unsicheren Gang und erhöht das Sturzrisiko.

Diese Nebensymptome können bei Parkinson auftreten

Neben den vier Hauptsymptomen leiden Betroffene unter vielen weiteren Beschwerden bzw. Symptomen. Diese können sehr unterschiedlich ausfallen. Einige Menschen haben Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken. Andere leiden unter Rücken- und Gelenkproblemen, Verdauungsproblemen, Blasenstörungen oder Schwindel. Auch Schlafprobleme, Stimmungstiefs, Ängste und Halluzinationen können auftreten.

Parkinson verläuft sehr individuell

Den genauen Verlauf von Parkinson kann niemand voraussagen. Typisch für das Parkinson-Syndrom ist jedoch, dass die Beschwerden mit Voranschreiten der Krankheit zunehmen. In einem frühen Stadium können Medikamente die Beschwerden deutlich lindern. Einige verschwinden sogar ganz. Nach fünf bis zehn Jahren treten diese dann aber wieder verstärkt auf und verschlimmern sich. Der Grund dafür ist, dass sich die Gehirnzellen weiter schädigen. Die Medikamente wirken irgendwann nicht mehr so gut bzw. nicht mehr konstant. Es gibt dadurch schlechtere und bessere Phasen.

Im Spätstadium von Parkinson sind Betroffene im Alltag bei vielen Tätigkeiten auf Unterstützung angewiesen. Vom Essen und Trinken über das Gehen bis hin zur Körperpflege.

5. Medizinische Behandlung der Parkinson-Krankheit

Da das Parkinson-Syndrom nicht heilbar ist, ist das oberste Ziel der Behandlung, die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Vor allem im Frühstadium lindern Medikamente die Beschwerden zuverlässig. Zusätzlich gibt es eine Reihe weiterer Therapien, die zur Behandlung von Parkinson infrage kommen.

Neurologinnen und Neurologen stellen die Diagnose Parkinson

Du hast den Verdacht, dass du oder dass jemand in deinem Umfeld an Parkinson erkrankt sein könnte? Dann ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Sie oder er stellt eine Überweisung für eine Neurologin oder einen Neurologen aus.

Die Diagnose von Parkinson ist sehr umfangreich. Zunächst informieren sich die Ärztin oder der Arzt über die Beschwerden, den Beginn, die Dauer und die Art der Symptome. Weitere Aspekte sind Vorerkrankungen, Medikamenten-Einnahmen und das Auftreten von Parkinson-Syndromen in der Verwandtschaft. Zudem erfolgt eine körperliche und neurologische Untersuchung. Auch eine Bildgebung des Gehirns findet statt. Zum Beispiel mittels MRT oder CT. Damit können Ärztinnen und Ärzte ein symptomatisches Parkinson-Syndrom ausschließen. Mit einer nuklearmedizinischen Untersuchung kann ein Dopaminmangel im Gehirn nachgewiesen werden.

Wenn die bisherige Diagnostik auf Parkinson hinweist, findet ein L-Dopa-Test statt. Dabei bekommen Betroffene eine Einzeldosis des Parkinson-Medikaments L-Dopa. Lassen die Symptome nach, spricht das für das idiopathische Parkinson-Syndrom.

Es gibt fünf Parkinson-Stadien

Bei der ersten Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt erstmals den Schweregrad des Parkinson-Syndroms fest. In regelmäßigen Abständen erfolgen weitere Untersuchungen, die immer wieder dazu dienen, den aktuellen Schweregrad zu definieren. Das hilft bei der Behandlung und der Überwachung des Krankheitsverlaufs. Deine Ärztin oder dein Arzt kann feststellen, ob die jeweilige Therapie wirksam ist oder angepasst werden muss. Sie oder er unterscheidet zwischen fünf Stadien:

  • Stadium 0: Es treten keine Beschwerden auf.
  • Stadium 1: Betroffene haben geringe Bewegungsstörungen. Diese treten einseitig auf.
  • Stadium 2: Die Symptome sind beidseitig. Es sind noch keine Gleichgewichtsstörungen zu sehen.
  • Stadium 3: Betroffene leiden unter Standunsicherheiten. Sie können weiterhin selbstständig leben.
  • Stadium 4: Die Betroffenen sind schwer beeinträchtigt. Sie können aber noch selbstständig stehen und gehen.
  • Stadium 5: Menschen mit Parkinson sind in diesem Stadium auf Pflege angewiesen. Sie sind bettlägerig und/oder benötigen einen Rollstuhl.

Medikamente lindern Parkinson-Beschwerden im Frühstadium

Die wichtigste Therapie bei Parkinson ist die Gabe von Medikamenten. Es gibt drei gängige Medikamentengruppen. Levodopa (L-Dopa) ist ein Medikament, das im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Dopaminagonisten ahmen im Gehirn die Wirkung von Dopamin nach und gleichen so den Mangel aus. MAO-B-Hemmer blockieren den Abbau von Dopamin im Gehirn.

Vor allem im Frühstadium können Betroffene sehr davon profitieren. Durch die Medikamente nehmen die Beschwerden deutlich ab, einige können sogar ganz verschwinden. Viele Betroffene sind zumindest für einige Jahre weitgehend beschwerdefrei. Allerdings kann die Medikamenteneinnahme mit Nebenwirkungen einhergehen. Etwa Wassereinlagerungen, Verstopfungen, Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Schläfrigkeit können auftreten.

Diese Maßnahmen lindern Parkinson-Beschwerden zusätzlich

Ergänzend zu den Medikamenten erhalten viele Betroffene Physiotherapie, Logopädie und/oder Ergotherapie. Diese Maßnahmen wirken sich positiv auf die Lebensqualität aus. Bei der Ergotherapie trainieren Betroffene ihre feinmotorischen Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Schreiben, das An- und Auskleiden, Essen und die Körperpflege. Auch Aufmerksamkeits- und Gedächtnisübungen sind Teil der Ergotherapie. Um die Beweglichkeit, Koordination und das Gleichgewicht zu fördern und zu verbessern, kann Physiotherapie helfen. Bei Sprach- und Schluckproblemen bekommen Betroffene eine logopädische Behandlung verschrieben.

Bei fortgeschrittenem Parkinson lässt die Medikamentenwirkung nach

Je weiter Parkinson voranschreitet, desto schwieriger wird die Behandlung mit Medikamenten. Die Wirkung schwankt häufig. Hinzu kommt, dass die Nebenwirkungen der Medikamente zunehmen.

Um Wirkschwankungen auszugleichen, kann es helfen, das Einnahmeschema der Medikamente zu verändern. Du nimmst die Medikamente häufiger über den Tag verteilt ein, jedoch sind die einzelnen Dosen geringer. Einige Betroffene bekommen die Medikamente auch über ein Pumpensystem verabreicht. Über eine kleine Nadel in der Haut nehmen sie nehmen die Wirkstoffe kontinuierlich auf.

Eine tiefe Hirnstimulation kann Parkinson-Betroffenen helfen

Die sogenannte tiefe Hirnstimulation kann vor allem Zittern, Steifigkeit und Bewegungsverlangsamung lindern. Dabei handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, bei dem Elektroden ins Gehirn eingesetzt werden. Durch elektrische Impulse stimulieren sie bestimmte Hirnregionen.

Lange Zeit kam die tiefe Hirnstimulation nur für Menschen infrage, bei denen Parkinsonmedikamente nicht mehr ausreichend wirken. Eine Studie aus Frankreich zeigt jedoch, dass auch Betroffene in einem früheren Stadium von der tiefen Hirnstimulation in Kombination mit Medikamenten profitieren können. Die Lebensqualität war nach zwei Jahren um 26 Prozent höher als bei jenen, die nur Medikamente einnahmen.

6. Die richtige Ernährung bei Parkinson

Eine ausgewogene Ernährung kann im Alltag eine wichtige Rolle spielen. Vor allem mediterrane Ernährungsweisen rücken dabei immer mehr in den Fokus der Forschung. Mit einer darmfreundlichen Ernährung lassen sich zudem Beschwerden wie Verdauungsprobleme im Alltag besser begleiten.

MIND-Diät und Parkinson

Die MIND-Diät ist eine Kombination aus der Mittelmeerdiät und der DASH-Diät. Die DASH-Diät soll den Blutdruck senken. In einer Studie aus Kanada wurde untersucht, wie sich die MIND-Diät auf den Zeitpunkt der Diagnose von Parkinson auswirkt. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dieser Ernährungsweise und einem späteren Erkrankungsbeginn.

Diese Lebensmittel stehen bei der MIND-Diät reichlich auf dem Speiseplan:

  • Gemüse, vor allem grünes Blattgemüse
  • Beeren
  • Nüsse
  • Öle mit ungesättigten Fettsäuren
  • Fisch
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkornprodukte

Diese Lebensmittel sind reich an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Ballaststoffe wirken sich positiv auf die Darmgesundheit aus.

Die folgenden Lebensmittel solltest du hingegen selten essen: Butter und Margarine, rotes Fleisch, Käse, Gebäck und Süßigkeiten, Fast Food und Frittiertes.

So wichtig ist ein gesunder Darm bei Parkinson

Wie du erfahren hast, häufen sich die Hinweise, dass die Darmgesundheit eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielt. Es kann daher hilfreich sein, im Alltag auf eine abwechslungsreiche Ernährung zu achten. Auch wenn du bereits die Diagnose Parkinson erhalten hast, kann eine Ernährung mit Ballaststoffen und fermentierten Lebensmitteln ein sinnvoller Bestandteil des Alltags sein.

Auf deinem Speiseplan können viele pro- und präbiotische Lebensmittel stehen. Probiotika sind natürliche Lebensmittel, die reich an speziellen Bakterienkulturen sind. Welche Lebensmittel reich an Probiotika sind, erfährst du in diesem Artikel:

Präbiotika sind vor allen Dingen Ballaststoffe, also unverdauliche Nahrungsbestandteile. Die guten Darmbakterien ernähren sich von Präbiotika. Zudem tragen sie dazu bei, das Wachstum ungünstiger Darmbakterien zu verringern. In welchen Lebensmitteln viele Präbiotika stecken, liest du im folgenden Artikel. Außerdem erfährst du, welche Lebensmittel deinem Darm schaden:

Fünf Tipps gegen Appetitmangel durch Parkinson

Viele Menschen mit Parkinson verlieren die Freude am Essen. Sie haben wenig Appetit und das Geruchs- und Geschmacksempfinden lässt nach. Das kannst du tun, um die Lust am Essen zu steigern:

  • Bereite dir Gerichte zu, die du sonst immer sehr gerne gegessen hast.
  • Verwende möglichst frische und vielfältige Zutaten. Das sorgt für unterschiedliche Geschmackserlebnisse.
  • Würze die Speisen kräftig mit Gewürzen und Kräutern. Zermahle die Gewürze fein in einem Mörser. Der Duft regt den Appetit an.
  • Gebe einen kleinen Schuss Olivenöl zu deinen fertigen Speisen. Das verbessert den Geschmack und sorgt für ein angenehmes Mundgefühl.
  • Nimm dir Zeit für das Essen, richte es schön an und genieße es – wann immer möglich – im Beisammensein anderer.

Schluckstörungen durch Parkinson: Das kann helfen

Am Schluckakt sind viele Gehirn- und Nervenstrukturen sowie Muskeln beteiligt. Sind sie durch Parkinson geschädigt, können Schluckstörungen auftreten. Die folgenden Tipps können das Essen angenehmer machen:

  • Iss kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt. Trenne das Essen und Trinken voneinander. So reduzierst du das Risiko, dass du dich verschluckst.
  • Je nachdem, wie stark die Schluckstörungen sind, zerdrücke deine Nahrung, schneide sie klein, raspele oder püriere sie oder koche sie breiig.
  • Auch Shakes, Obstmus, Joghurt und Quark eignen sich gut bei Schluckstörungen.

Verstopfungen durch Parkinson: Das kann im Alltag helfen

Viele Menschen, die von Parkinson betroffen sind, leiden unter Verstopfungen. Das liegt zum einen daran, dass die Erkrankung die Bewegung der Darmmuskulatur verringert. Auch Parkinsonmedikamente können als Nebenwirkung Verstopfungen begünstigen. Im fortgeschrittenen Stadium verstärkt Bewegungsarmut einen trägen Darm.

  • Iss mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag. So entlastet du deine Verdauung.
  • Trinke mindestens eineinhalb bis zwei Liter Wasser pro Tag.
  • Achte darauf, mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu dir zu nehmen. Dafür eignen sich Vollkornprodukte, Leinsamen, Flohsamen, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte.
  • Kaue dein Essen gut, auch das entlastet die Verdauung.
  • Verzichte auf stopfende Lebensmittel wie Weißmehlprodukte, Schokolade und Bananen.

Wichtig bei Dopa-Medikamenten: Nimm diese nicht gleichzeitig mit eiweißhaltigen Lebensmitteln ein. Dadurch nimmst du weniger L-Dopa auf. Es sollte mindestens eine Stunde zwischen dem Essen und der Medikamenteneinnahme liegen.

Parkinson-Erkrankung erhöht das Risiko für eine veränderte Nährstoffversorgung

Beim Parkinson-Syndrom besteht das Risiko, dass Betroffene nicht optimal mit Nährstoffen versorgt sind. Das liegt zum einen an den veränderten Ernährungsgewohnheiten. Zum anderen kann die Nährstoffaufnahme gestört sein. Ein Großteil der Nährstoffe gelangt über den Darm in den Körper. Darmprobleme können die Nährstoffaufnahme negativ beeinflussen.

Hinzu kommt, dass Medikamente die Aufnahme von Nährstoffen herabsetzen können. Studien zeigen zum Beispiel, dass die Einnahme von L-Dopa mit Veränderungen der Versorgung mit B-Vitaminen verbunden sein kann. Menschen mit dem Parkinson-Syndrom sollten daher besonders auf eine ausgewogene Ernährung mit vielen frischen Lebensmitteln achten. Lass dein Blut zudem regelmäßig analysieren.

7. Parkinson und Ernährung: was die Forschung untersucht

Es gibt immer mehr Studien, die den Einfluss der Ernährung auf Parkinson untersuchen. Dabei stehen unter anderem Fettsäuren, Vitamine und weitere Mikronährstoffe im Fokus der Forschung. Die Ergebnisse liefern interessante Hinweise, erlauben aber keine allgemeingültigen Aussagen für den Alltag.

Fettsäuren und Parkinson

Omega-3-Fettsäuren sind ein Bestandteil des Gehirns. Es gibt immer mehr Studien , die sich mit dem Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren und neurodegenerativen Erkrankungen beschäftigen. Eine besondere Rolle scheint dabei die Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) zu spielen.

Auch kanadische Forschende untersuchten DHA in einem Tiermodell im Zusammenhang mit Parkinson.

Vitamin B12 und Parkinson

Auch Vitamin B12 wird im Zusammenhang mit Parkinson untersucht. Studien zeigen, dass Menschen mit der Parkinson-Erkrankung, die L-Dopa einnehmen, ein erhöhtes Risiko für Veränderungen der Vitamin-B12-Versorgung haben können.

Vitamin B12 kannst du ausschließlich über tierische Lebensmittel aufnehmen. Aus diesem Grund haben insbesondere vegetarisch und vegan lebende Menschen ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel.

Vitamin D und Parkinson

In mehreren Studien wurde ein Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status im Blut und Parkinson untersucht.

Coenzym Q10 und Parkinson

Auch Coenzym Q10 wurde in einer japanischen Studie im Zusammenhang mit Parkinson untersucht.

Mehr zu Selen liest du hier:

8. Leben mit Parkinson: das fördert deine Lebensqualität

Wir stellen dir weitere Maßnahmen vor, die dir das Leben mit Morbus Parkinson erleichtern und sich positiv auf den Alltag auswirken können.

Tipp 1 bei Parkinson: Bewege dich viel und regelmäßig

Wer mit Morbus Parkinson lebt, profitiert oft von einem aktiven Lebensstil. Körperliche Aktivität kann dazu beitragen, Beweglichkeit, Gangbild, Gleichgewicht und Muskelkraft zu fördern. Das belegen verschiedene Studien . Neben Ausdauer- und Krafttraining sind vor allem Sportarten, die deine Koordination und Konzentration fördern, gut. Zum Beispiel Yoga, Thai-Chi und Tanzen.

Schon etwa eineinhalb Stunden tanzen pro Woche werden in einer kanadischen Studie im Zusammenhang mit positiven Veränderungen im Alltag beschrieben. Denn Tanzen ist komplex und spricht viele Sinne an. Zudem kommt die soziale Interaktion dazu.

Tipp 2 bei Parkinson: Pflege soziale Kontakte

Parkinson-Symptome wie Müdigkeit, Tremor, Immobilität, aber auch Stimmungstiefs können dazu beitragen, dass sich Betroffene zunehmend aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen. Einsamkeit wiederum kann sich nachweislich negativ auf die Lebensqualität und den Schweregrad von Morbus Parkinson auswirken.

Trotz der Diagnose Parkinson solltest du deine sozialen Kontakte nicht vernachlässigen. Bitte dein Umfeld zudem aktiv um Unterstützung und Hilfe. Einigen hilft es auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Tipp 3 bei Parkinson: Erleichtere dir den Alltag

Wir binden uns die Schuhe zu, halten das Besteck, falten Wäsche zusammen oder schreiben einen Einkaufszettel: Das sind ganz normale Dinge, die wir im Alltag machen, ohne groß darüber nachzudenken. Wer unter Morbus Parkinson leidet, dem fallen diese Aktivitäten jedoch immer schwerer, je weiter die Erkrankung voranschreitet.

Verschiedene Hilfsmittel können den Alltag erleichtern. Es gibt zum Beispiel spezielles Essbesteck, Greif- und Schreibhilfen und Knöpfhilfen. Gestalte deine eigenen vier Wände zudem nach deinen Bedürfnissen um. Sortiere Schränke neu, besorge dir Hocker, eine rutschhemmende Einlage für die Dusche und räume Stolperfallen wie Teppiche und Kabel zur Seite.

Tipp 4: Vermeide zu viel Stress

Je mehr Stress du hast, desto stärker können Beschwerden im Alltag ausfallen. Zittern und Schmerzen können zunehmen und Bewegungen schwerer fallen. Finde deine persönlichen Stressoren heraus und versuche, sie zu minimieren. Scheue dich nicht, Hilfe von anderen anzunehmen.

9. Unser Fazit zum Thema Parkinson-Krankheit

Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Dabei kommt es zum Absterben der Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn. Das Hormon Dopamin ist vor allem als Glückshormon bekannt. Doch es ist auch an der Steuerung von emotionalen, geistigen und motorischen Reaktionen beteiligt.

Es gibt einige Warnzeichen, die auf eine Parkinson-Erkrankung hinweisen können. Welche das sind, erfährst du in diesem Artikel. Zudem zeigen wir dir, welche Hauptsymptome mit Parkinson einhergehen.

Da Parkinson nicht heilbar ist, besteht die Behandlung vor allem darin, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Besonders im Frühstadium von Parkinson können Medikamente die Beschwerden oft deutlich verringern. Alle Medikamente zielen darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen.

Außerdem wird untersucht, welche Rolle Ernährung, Darmgesundheit und einzelne Nährstoffe im Zusammenhang mit Parkinson spielen. Ebenso wichtig sind alltagsnahe Maßnahmen wie Bewegung, soziale Kontakte und eine gute Unterstützung im täglichen Leben.

Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto länger können Betroffene sich die Lebensqualität erhalten. Mit einer frühzeitigen und gezielten Therapie unterscheidet sich die Lebenserwartung nicht von der Normalbevölkerung.

100%